Selbstsabotage in Beziehungen erkennen und verändern

Selbstsabotage in Beziehungen: Warum sabotieren wir unsere zwischenmenschlichen Verbindungen zu anderen Menschen? Woran erkennen wir unser sabotierendes Verhalten oder Muster im Verhalten unserer Mitmenschen? Wir werfen einen Blick auf mögliche Hintergründe, Anzeichen und potenzielle Auswirkungen. Und natürlich darauf, wie alternatives Verhalten möglich wird.
Selbstsabotage in Beziehungen

Inhalt

Das Wichtigste zusammengefasst

  • Selbstsabotage in Beziehungen zeigt sich durch wiederkehrende Muster wie Rückzug, Überanpassung oder Konfliktvermeidung, die Nähe und Vertrauen erschweren.
  • Häufig entstehen diese Dynamiken unbewusst aus Ängsten, Unsicherheiten, alten Beziehungs-(vor)Erfahrungen oder einem geringen Selbstwertgefühl.
  • Typische Anzeichen sind innere Widersprüche, wiederkehrende Konflikte, fehlende Offenheit und negative Annahmen über das Verhalten des Gegenübers.
  • Langfristig führen selbstsabotierende Verhaltensweisen zu Missverständnissen, Distanz und einer emotionalen Belastung der Beziehung.
  • Veränderung wird möglich, wenn eigene Muster erkannt, Bedürfnisse klar kommuniziert und neue, bewusst gewählte Verhaltensweisen ausprobiert werden.
     

Selbstsabotage Beziehung: Typische Dynamiken

Selbstsabotage in der Partnerschaft oder in Freundschaften kann auch in gesunden Beziehungen vorkommen. 

Die folgenden Dynamiken treten dabei häufig als Muster auf & erschweren somit die Verbindung & Nähe:

Annäherung & Rückzug
Zunächst wird Nähe erzeugt. Im Anschluss wird diese, oft aus Angst vor (zu viel) Nähe oder Verletzlichkeit, eigenständig durch einen plötzlichen Rückzug sabotiert.
Zur Sicherung von Harmonie werden die eigenen Bedürfnisse bewusst und übertrieben zurückgestellt. Parallel dazu entsteht aus diesem Verhalten ein innerer Konflikt. Dieser kann zu Druck und Unzufriedenheit führen, welche sich in einem äußeren Konflikt oder in Distanzierung zeigen können.
Wichtige Themen werden gar nicht angesprochen oder bewusst in einer Weise, die einen Konflikt auslöst. Die Klärung der Themen und Stabilität für die Beziehung wird in beiden Varianten verhindert.
Eigene Erwartungshaltungen wie beispielsweise „mir wird nie zugehört“ nehmen nicht unerheblichen Einfluss auf unser Verhalten. Unsere Mitmenschen reagieren auf dieses (sabotierende) Verhalten, wodurch die eigenen Erwartungen bestätigt werden können.
Um die eigene Sicherheit weiterhin zu gewährleisten, wird versucht, das Gegenüber oder bestimmte Situationen zu kontrollieren. Dieses Verhalten kann zu Widerstand, Kontrollverlust und Distanz führen.

Wiederholtes Infragestellen der Beziehung oder übermäßiges Einfordern von Bestätigung kann im Gegenüber Zweifel oder Überforderung auslösen und die Beziehungsdynamik destabilisieren.

Dynamiken wie diese finden in der Regel unbewusst & wiederholt statt. Oft verbleiben solche Verhaltensmuster so lange, bis sie erkannt & im Anschluss daran bewusst verändert werden.

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Auswirkungen auf Beziehungen: Was Selbstsabotage langfristig bewirkt

Die genannten Muster, wiederholte Rückzüge oder unausgesprochene Bedürfnisse und Erwartungshaltungen führen fast zwangsläufig zu Missverständnissen in Beziehungen und können vorhandenes Vertrauen beeinträchtigen. Häufig entsteht als Reaktion auf dieses Verhalten im Gegenüber Unsicherheit oder das Gefühl, nicht richtig an das Gegenüber heranzukommen oder nicht durchdringen zu können. Reaktionen und Distanz des jeweils Anderen werden auf die eigenen Befürchtungen bezogen, als Bestätigung gedeutet und lassen damit oft Ängste eintreten. Diese Wahrnehmung kann zu weiterer Destabilisierung führen. Auf Dauer kann eine emotionale Belastung der Beziehung durch die anhaltenden Annäherungs- und Rückzugsmomente entstehen.

Klassische Anzeichen: Selbstsabotage in Beziehungen erkennen

Der wiederkehrende Anteil der beschriebenen Muster in Zusammenhang mit den Aspekten Nähe, (Beziehungs-)Entwicklung und Vertrauen ist der Aspekt, der die eigenständige Erkennbarkeit ermöglicht. 

Folgende typische Hinweise lassen sich dabei beobachten:

Wiederkehrende Verhaltensmuster

Situationen wiederholen sich. Streitmomente oder distanzierte Situationen, in denen das eigentliche Bedürfnis nach Nähe ein Wunsch bleibt.

Du handelst gegen Deinen Wunsch oder Dein Bedürfnis. Mit Deiner Handlung verhinderst Du beispielsweise Verbindung oder Austausch, genau das ist es jedoch, was du möchtest. Ein Beispiel eines typischen Wiederspruchs wäre: „Ich möchte eigentlich xyz machen, aber ich ziehe mich trotzdem zurück“.

Unsicherheiten, Bedürfnisse, Gefühle oder Wünsche werden nicht offen an- bzw. ausgesprochen. In der Folge entsteht im Gegensatz zu Nähe Distanz. Missverständnisse können so leicht zunehmen.

Anstatt zu einer beziehungsförderlichen und klärenden Kommunikation zu führen, resultieren intensive Gefühle in Rückzug, der Suche nach Kontrolle oder Überanpassung.

Die (Grund-)Annahme über das Verhalten des Gegenübers wird intuitiv und schnell negativ bewertet. Eine Überprüfung oder Korrektur erfolgt in der Regel nicht und beeinflusst so das weitere eigene Verhalten und befeuert die vorhandene Dynamik.

Auch mit einem Bewusstsein für das eigene Verhalten fallen Veränderungen nicht leicht. Situationen entstehen weiter und wiederholen sich in ähnlicher Form.

Ein zentraler Hinweis an dieser Stelle ist die konträre Wahrnehmung von Verhalten und Wunsch, der innere Konflikt. Mit dieser Erkenntnis beginnt die Möglichkeit, Muster bewusst zu identifizieren und auch zu verändern.

„Selbstsabotage bedeutet, dass Du Deinen eigenen Erfolg (& das Glück) boykottierst.“

„Wenn wir uns selbst sabotieren, dann machen wir (oftmals) nicht vor unserer Partnerschaft Halt.“

– Unbekannt –

Gründe für Selbstsabotage: Bindungsangst, Verlustangst und Rückzug

Ein geschwächter Selbstwert oder geringes Selbstwertgefühl, negative Erfahrungen aus früheren Beziehungen, Eifersucht oder(veraltete) negative Glaubenssätze sind mögliche Hintergründe. Auch innere Ambivalenz, das gleichzeitige Bestehen von widersprüchlichen Gefühlen, Gedanken oder Wünschen gegenüber einer Person, Sache oder Situation, ist als Grund denkbar. So kann bei Angst vor Nähe gleichzeitig ein starker Wunsch danach bestehen. Je nach Situation kann das selbstsabotierende Verhalten durch die eigenen Ängste und Bedürfnisse ausgelöst werden. Diese sollen durch die erzeugte Distanz oder den Konflikt geschützt werden.

Folgende typische Schutzmechanismen und Beziehungserfahrungen sind denkbar:

Bindungsangst oder Verlustangst

Angst davor, verlassen zu werden, oder Nähe, die als bedrohlich erlebt wird, kann sehr stark sein und zu klammerndem Verhalten oder Rückzug (oder Ghosting) führen.

Unsicherheit oder Selbstwertzweifel beziehen sich nicht direkt auf die Beziehung, wirken sich jedoch unmittelbar darauf aus. Misstrauen, Minderwertigkeitsgefühle oder Anpassung sowie das Gefühl, nicht genug zu sein, sind mögliche Folgen.

In vorherigen Beziehungen erfahrene Verletzungen oder Erfahrungen wirken sich auf gegenwärtige Erwartungen aus. Für neue Beziehungen werden diese unbewusst als Anhalts- und Bewertungspunkte „mitgenommen“.

Ein Konflikt, der aus der Kombination aus einem Bedürfnis nach Nähe und dem Wunsch nach Unabhängigkeit entsteht, führt zu widersprüchlichem Verhalten.
Sätze, die verinnerlicht wurden oder zu Überzeugungen geworden sind, wirken sich auf unser Verhalten und unsere Wahrnehmung aus. Mögliche Beispiele: „Ich werde sowieso verletzt“ oder „Ich bin zu viel oder nicht genug“.
Sich dem Gegenüber zu zeigen, ist eine Grundvoraussetzung für emotionale Nähe und Offenheit. Daraus entstehende Verletzlichkeit wird oft durch Rückzug, Distanz oder Kontrolle vermieden bzw. kompensiert.

Kontrolle ist ein möglicher Mechanismus, um Unsicherheit auszugleichen. Kontrollierendes Verhalten kann die Vertrauensbasis und spontane Entwicklung einer Beziehung behindern.

Bei unerkannten oder nicht besprochenen eigenen Bedürfnissen kann die Beziehung durch unbewusste Verhaltensweisen belastet werden.

Diese Faktoren wirken zeitweise auch gleichzeitig und können sich gegenseitig verstärken.

Exkurs Selbstsabotage Persönlichkeitsstörungen: welchen Zusammenhang gibt es?

Die allermeisten Situationen, in denen Selbstsabotage eine Rolle spielt, entstehen aus Mustern, Verhaltensweisen oder Gedanken, inneren Konflikten oder Strategien zum Selbstschutz und fallen damit in die Kategorie der regulären psychologischen Prozesse.

Die Abgrenzung dieser Prozesse zu einer klinischen Relevanz in Bezug auf eine Selbstsabotage-Persönlichkeitsstörung entsteht, sobald diese sehr stark ausgeprägt auftreten, anhaltendes Leiden verursachen oder massive Beeinträchtigungen in den unterschiedlichen bedeutsamen Lebensbereichen (z. B. Beziehungen, Gesundheit, Arbeit) hervorrufen. Oder bei einem auftretenden Gefühl, die Kontrolle verloren zu haben, oder wenn sich Muster trotz Bewusstsein über diese und aktiver Versuche nicht verändern lassen. In diesen Fällen bestimmter Ausprägungen kann Unterstützung aus ärztlicher bzw. therapeutischer Sicht relevant werden und hilfreich sein.

Für einen Großteil der Fälle gilt jedoch: Selbstsabotage ≠ Persönlichkeitsstörung (ungleich). Selbstsabotage ist zunächst erst einmal ein Hinweis auf innere Dynamiken, die zunächst einmal verstanden und dann verändert werden können und wollen. Alleine oder mit Unterstützung in einem Coaching wird ein Bewusstsein entwickelt und neue Handlungsalternativen und Möglichkeiten werden kreiert.

(Selbst-)Sabotage von Beziehungen
Vertrauen, Verbindung & Nähe lassen sich aktiv verändern & bewusst gestalten

Veränderung in Beziehungen: Neue Dynamiken bewusst gestalten

Der Start einer gelingenden Veränderung liegt darin, die eigene Rolle innerhalb der beobachteten Dynamik zu erkennen. Hierbei geht es insbesondere darum, den eigenen Anteil der Verhaltensweisen zu finden und dafür die Verantwortung zu übernehmen. Ein erster Schritt ist, innerhalb konkreter Situationen diese zu benennen und dann bewusst die eigene Veränderungsenergie dafür zu nutzen, anders zu reagieren als bisher. Ein Beispiel: Statt eines Rückzugs ein Bedürfnis konkret aussprechen oder Unsicherheit nicht überspielen, sondern aktiv benennen.

Unterstützende Reflexionsfragen

Kommunikation hat ebenfalls eine zentrale Bedeutung für die individuelle Gestaltung von Beziehungen. Je deutlicher und klarer die Formulierung von Bedürfnissen, Gefühlen und Gedanken erfolgt, desto mehr Möglichkeiten werden geschaffen, dafür verstanden zu werden, gemeinsam Erfahrungen zu machen und die Beziehung aktiv zu verändern.

Fazit: Selbstsabotage in Beziehungen verstehen und verändern

Selbstsabotage in Beziehungen kann aus inneren Schutzmechanismen entstehen. Diese alten Verhaltensweisen haben in der Vergangenheit, in anderen Situationen, möglicherweise Sinn ergeben. Für die heutige Gegenwart sind diese jedoch hinderlich im Aufbau von neuen, guten und gesunden Verbindungen. Die sabotierenden Mechanismen richten sich nicht gegen die gegenwärtige Beziehung, sie versuchen lediglich zu schützen. Vor Verletzung, Zurückweisung, Ablehnung oder Kontrollverlust.

Selbstreflexion und das Beobachten der vorhandenen Dynamiken ist oftmals der entscheidende Wendepunkt. Auch ein Bewusstsein für die eigenen Bedürfnisse zu entwickeln, diese transparent zu machen und entsprechend zu handeln, macht einen entscheidenden Unterschied. Bewusste Entscheidungen, kleine und große mutige Schritte für die Kommunikation, mehr Verletzlichkeit, Offenheit und Nähe gestalten den Veränderungsprozess. Kleine Veränderungen tragen dazu bei, bestehende Beziehungserfahrungen zu ergänzen, Muster zu durchbrechen und Platz zu schaffen für neue Verhaltensweisen.

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Mareike Thoben

Mareike ist ausgebildete systemische Coach und Gründerin von Authentic Words. Mit einem feinen Gespür für Menschen und einem tiefen Verständnis für persönliche Prozesse begleitet sie Menschen auf dem Weg zu mehr Klarheit, Selbstvertrauen und innerer Balance. Ihr Coaching-Stil ist achtsam, respektvoll und authentisch – immer mit dem Ziel, individuelle Stärken sichtbar zu machen und neue Perspektiven zu eröffnen.

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