Inhalt
Das Wichtigste zusammengefasst
• Veränderungsenergie entsteht aus zwei Richtungen: dem Druck, etwas nicht mehr zu wollen & der Vision von etwas Besserem.
• Sie ist begrenzt, besonders dann, wenn viele Veränderungen gleichzeitig passieren oder der Alltag ohnehin viel Kraft fordert.
• Die verfügbare Energie wird erhöht und Streuverluste verringert, sobald wir uns klar darüber sind, was wir wirklich verändern wollen
• Ein sicherer Rahmen reduziert Angst und macht es uns leichter, erste Schritte zu gehen.
• Rückschläge verbrauchen Energie, sind jedoch normal. Wichtig ist ein Umgang, der nicht entmutigt, sondern Orientierung gibt.
• Nachhaltige Veränderung braucht Pausen und bewusstes Energiemanagement, damit der Energiehaushalt nicht ins „Minus“ rutscht
Was ist eine Identitätskrise? - Definition
Menschen und Gesellschaften verändern sich. Die eigene Identitätspolitik und gesellschaftliche Betrachtungen unterliegen ständiger Entwicklungen. Wer wir wirklich sind, ist eine der interessantesten und umfangreichsten Fragen unseres Seins. Ob unser Selbstbild bzw. unsere Selbsterzählung stimmt und mit unseren tatsächlichen Erfahrungen, Fakten und/oder den gesellschaftlichen Entwicklungen übereinstimmt, ist dabei ein entscheidender Faktor. Und aus diesem kann auch eine Identitätskrise erwachsen.
In einer Identitätskrise stimmen die eigenen Werte, Überzeugungen und das Selbstbild bzw. Selbstverständnis nicht (mehr) mit der (erlebten) Realität überein. Sie stehen im Widerspruch mit Informationen und Erfahrungen. Die vorher vorhandene Eindeutigkeit geht verloren und löst Instabilität aus. Mögliche emotionale Begleiterscheinungen wie Angst, Scham, Wut oder Trotz können auftreten. Nach einer ersten Wahrnehmung und in Fragestellung der eigenen Lebensrealität erfolgt oft eine Phase der Verdrängung, Verteidigung oder Verhärtung. Oftmals wird das mögliche Neue, das bisher noch unbekannte, als weniger erstrebenswert wahrgenommen als der bisherige Status Quo. Menschen neigen dazu, dass „bekannte Übel“ dem „unbekannten Glück“ vorzuziehen. Viele Menschen berichten, dass Sie zunächst versuchen über verschiedene Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung, beispielsweise dem Aufbau von mehr Resilienz, sich selbst eine „Erleichterung“ für die erlebte Schwere in dieser Situation zu verschaffen. Und im Anschluss daran mit sich verhandeln, welchen Menschen sie von ihren Gedanken erzählen und welche Lebensbereiche überhaupt verändert werden können.
Du hast das Gefühl, dass Du Dich in einer Identitätskrise befindest?
Lass uns in einem kostenfreien Gespräch schauen, wie Du da raus kommst.
Auszug aus dem "Lexikon der Psychologie"
Im Lexikon der Psychologie heißt es, dass der Begriff „Identitätskrise“ originär aus dem psychosozialem Entwicklungsmodell von Erik H. Erikson stammt, in dem die Krise zwischen Identität und Identitätsdiffusion bewältigt werden muss. Sie wird dort als notwendiger Wendepunkt im Leben verstanden.
Ergänzungen aus der Sachbuch Literatur zu Identitätskrisen
In ihrem Buch „Identitätskrise“ sagt Alice Hasters, dass wir Menschen als Individuen, aber auch wir als Gesellschaften, uns Geschichten darüber erzählen, wer wir sind. Diese Selbstbilder geben Orientierung und Stabilität. Problematisch wird es nur dann, wenn Realität und Selbstbild auseinander fallen.
Auf gesellschaftlicher Ebene befindet sich laut Alice Hasters‘ die Pflicht, das kollektive Selbstverständnis (vieler Gesellschaften der sogenannten westlichen Welt und ihren Werten) zu hinterfragen. Das umfasst Selbstbeschreibungen wie Demokratie, Moral, Fortschritt, Aufklärung und Gleichberechtigung. Alice Hasters zeigt, dass im Angesicht schwindender Gewissheiten sowie Problemthemen wie Rassismus, soziale Ungleichheit, Kolonialgeschichte, Kriege und Klimakrise, ein Widerspruch zu diesem Idealbild entsteht. Und die Möglichkeit einer Krise, sowohl von gesellschaftlichen als auch von persönlichen Identitätskrisen, verstärkt wird.
Hasters schafft es in ihrem Sachbuch den Bogen zu schlagen die zentrale Frage nach Verantwortung zu stellen. Eine Reife Identität und Selbstbetrachtung bedeutet, sich nicht starr als Opfer oder Held zu sehen, sondern als handlungsfähiges Subjekt mit genauso viel Einfluss wie Mitverantwortung. Hasters sagt jedoch auch, dass individuelle Identitätsfragen gesellschaftliche Dynamiken widerspiegeln und die Fragen“ Wer bin ich?“ und „Wer wollen wir sein?“ hängen zusammen.
Identität ist der Schnittpunkt zwischen dem, was eine Person sein will und dem, was die Welt ihr zu sein gestattet.
– Erik H. Erikson –
Identitätskrise Symptome - Was verändert sich?
Die Symptome einer Identitätskrise lassen sich übergeordnet wie folgt zusammenfassen:
- ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Zugehörigkeit und/oder nach Abgrenzung
- (Über-)Empfindlichkeit gegenüber Kritik am eigenen Selbstbild
- Verunsicherung, durch im Widerspruch zueinander stehenden Rollenbilder
- (gefühlter) Kontrollverlust
- Idealisierung von vergangenen Entscheidungen, Erlebnissen, Erfahrungen
- das Denken ist lediglich in "Schwarz oder Weiß" Varianten möglich
Ergänzend sind bei einigen Menschen in einer Identitätskrise Symptome möglich, die hier nicht aufgeführt sind. Oder es sind Symptome jeweils anteilig möglich. Ggf. ist auch Anteil dabei, der sich (frühzeitig) Gedanken oder Sorgen darüber machen wird, welche Auswirkungen eine Identitätskrise auf das gesamte Leben haben wird. Ein Identitätsverlust ist hier sicher das Worst-Case-Szenario und in den allermeisten Fällen eher unwahrscheinlich.
Wie lässt sich eine Identitätstkrise überwinden?
Aus dem Bewusstsein in einer Identitätskrise zu stecken, kann durch Selbstreflexion und Veränderungen oder auch Reifung und (persönliche) Entwicklung entstehen. Dieser Aspekt lässt mich hoffnungsvoll darauf blicken, dass der Umgang mit Identitätskrisen ggf. in Zukunft immer wichtiger werden könnte. Sie ist oft der Beginn einer persönlicheren Weiterentwicklung und (beruflicher) Neuorientierung.
Eine Identitätskrise muss kein Dauerzustand bleiben und kann aktiv verändert werden. Eine Identitätskrise steht nicht in direktem Zusammenhang mit einer Psychotherapie. Zunächst einmal stellt es zum Zeitpunkt der Feststellung eine Zeitpunktbewertung dar, ein Ist-Zustand, an dem das alte Selbstbild nicht mehr passt. Die Möglichkeit der eigene Einflussnahme und den eigenen Gestaltungsrahmen zu nutzen, helfen dabei eine Identitätskrise überwinden zu können. Die Wahrnehmung, das Bewusstsein, die Bereitschaft Ambivalenzen auszuhalten und die nötige Veränderungsenergie, sich den Problemen wirklich stellen zu können und zu wollen, sind grundsätzlich notwendige Voraussetzungen.
Praktische Ansätze
- Akzeptanz statt Ablehnung: Die Krise nicht als Feind oder lästiges Übel abstempeln, sondern als wertvolle Phase der Veränderung und Chance zur Neufindung verstehen.
- Selbstreflexion & Stille: Zeit für sich nehmen, um eigene Werte und Bedürfnisse neu zu definieren und aktiv neue Facetten des eigenen Ichs erkunden. Fragen stellen wie: „Was macht mir Spaß?"
- Gefühle zulassen: Verwirrung und Unsicherheit spüren, statt sie zu verdrängen.
- Neues ausprobieren (Experimente): neue Dinge und Interessen austesten, unanbhängig von Erwartungen und ohne sich auf ein festes Ergebnis festzulegen. Herauszufinden was wirklich zu einem passt.
- Selbstfürsorge: Körperliche und emotionale Stabilität durch gesunden Schlaf, Ernährung, Bewegung und Erholsungsphasen stärken.
- Offen sprechen: Austausch mit vertrauten Personen oder professionelle Unterstützung (Coaching/Therapie) suchen.
- Abgrenzung: Sich von idealisierten Bildern (Medien) lösen und sich auf den eigenen, authentischen Weg konzentrieren.
Ein sprachliches Bild - Die Krise als Chance
Um für den Abschluss sprachlich noch ein Bild zu zeichnen, kann eine Identitätskrise mit einem „Kokon“ verglichen werden, der zu eng geworden ist und kreativ aufgebrochen werden will. Geduld ist wichtig, da dieser Prozess Zeit in Anspruch nehmen kann. Und nach dieser Zeit befreit sich bekanntermaßen ein Schmetterling aus dem Kokon und breitet seine wundervoll einzigartigen Flügel aus.
Fazit
Eine Identitätskrise markiert einen Übergang. Wenn das bisherige Selbstbild nicht mehr passt, entsteht Ungewissheit. Gleichzeitig eröffnet genau dieser Moment die Möglichkeit zur Orientierung und bewussten Neuausrichtung. Wer hier bereit ist, Ambivalenzen auszuhalten, Verantwortung zu übernehmen und sich ehrlich zu reflektieren, kann aus der Krise gestärkt hervorgehen und eine passendere, authentische Identität entwickeln.

