Inhalt
Das Wichtigste zusammengefasst
- Innere Antreiber sind unbewusste innere Regeln, die unser Denken, Fühlen und Handeln steuern.
- Sie entstehen häufig durch Prägungen und zeigen sich in Sätzen wie „Ich muss perfekt sein“.
- Sie können hilfreich sein, erzeugen aber oft Druck, Stress und eingeschränkte Wahlfreiheit.
- Typische Antreiber sind z. B. „Sei perfekt“, „Mach es allen recht“ oder „Streng Dich an“.
- Durch Bewusstsein und „Erlauber“ entsteht mehr Freiheit im Umgang mit sich selbst.
Was sind innere Antreiber: Bedeutung und Modell
Innere Antreiber hört sich für mich genauso sehr abstrakt wie selbsterklärend an. Was genau sind also innere Antreiber und was nützt Dir und mir das Wissen, dass es sie gibt. Welche Bedeutung haben diese für unser alltägliches Leben und Verhalten?
Innere Antreiber einfach erklärt
Innere Antreiber können sich in Sätzen zeigen, die wir uns unbewusst selber sagen. „Ich muss es allen recht machen“ oder „Ich muss perfekt sein“ sind mögliche Beispiele. Diese Sätze entstehen oft durch wiederholte Situationen, in denen bestimmtes Verhalten von uns „gefordert“ und dieses so angenommen wurde sowie durch entsprechende Prägungen.
Es ist auch möglich, unabhängig von der Erziehung oder der Eltern- bzw. Kindheitsbezogenheit, eigene innere Antreiber entwickeln zu können. Mit den entwickelten oder gespeicherten Antreibern hat der Mensch eine Leitlinie für Verhaltensweisen, die in neuen, überraschenden oder ungewohnten Situationen dazu führen sollen, die Zustimmung anderer Menschen zu bekommen.
„Jedes Mal, wenn du versucht bist, auf die gleiche alte Weise zu reagieren, frage dich, ob du ein Gefangener der Vergangenheit sein möchtest oder ein Pionier der Zukunft.“
– Deepak Chopra –
Das Modell der inneren Antreiber
Das Modell der inneren Antreiber stammt aus der amerikanischen Transaktionsanalyse (Eric Berne). Es wurde von Taibi Kahler und Hedges Capers entwickelt. Es beschreibt Verhaltensweisen, die dazu führen sollen, sich selbst als „okay“ wahrzunehmen und in der Welt zurechtzukommen. Diese Verhaltensweisen werden durch verinnerlichte (elterliche oder erzieherische) Botschaften bzw. Anweisungen getrieben, die uns in Form von unbewussten Anpassungsmustern und Glaubenssätzen erhalten bleiben.
Warum innere Antreiber so wirksam sind
Tief verinnerlichte und unbewusste Regeln sowie Muster wirken ohne aktives Zutun. Es sind gängige Verhaltensweisen und Abläufe, die automatisch abgerufen werden. Sie kommen in jeder Situation sofort und als erstes, teilweise unüberlegt, zum Einsatz.
Innere Antreiber können auch den insgesamt zur Verfügung stehenden Gestaltungsspielraum und die Handlungsmöglichkeiten einer Person eingrenzen. Insbesondere dann, wenn diese als ausnahmslose Leitlinie angesehen werden, der absolut und immer gefolgt werden muss. Es gilt dann der Grundsatz: „Nur wenn ich so und so bin, dann bin ich okay.“ Nur wenn die Person sich ausnahmslos an die Forderungen der Antreiber hält, besteht eine Möglichkeit der sonst unerreichbaren „Vollkommenheit“. Die Entscheidungsfreiheit geht verloren bzw. verringert sich, weg von einem freiwilligen „Ich will“ hin zu einem nahezu ungewollten Gefühl von „Ich muss“.
Du hast das Gefühl, dass Du Dich hier wiedererkannt hast?
In einem ersten Beratungsgespräch schauen wir, wo Du gerade stehst und wie wir die inneren Antreiber für und nicht gegen Dich arbeiten lassen.
Die 5 inneren Antreiber und ihre Wirkung
Im nächsten Schritt schauen wir auf die fünf bekanntesten inneren Antreiber und darauf welche (Aus-)Wirkung diese unser Denken und Handeln haben können.
Die fünf inneren Antreiber im Überblick
Die hauptsächlichen, bekannten 5 inneren Antreiber lauten wie folgt:
Sei perfekt!, Sei stark!, Beeil Dich!, Mach es allen recht! und Streng Dich an!
Wenn man möchte, könnte man diese auch repräsentativ mit (dahinterliegenden) positiven Eigenschaften oder Absichten gleichsetzen:
Positive Eigenschaften hinter den jeweiligen Antreibern:
- 1. Fehlerlosigkeit und Genauigkeit: „Sei perfekt“
- 2. Liebenswürdigkeit und Freundlichkeit: „Mach es allen recht“
- 3. Durchhaltevermögen und Gründlichkeit: „Streng Dich an“
- 4. Unabhängigkeit und Stärke: „Sei stark“
- 5. Chancen erkennen, ergreifen, nutzen & Schnelligkeit: „Beeil Dich“
Perfektionismus, Überverantwortung und Erschöpfung
Das Modell der inneren Antreiber beschreibt die teilweise übertriebene und gelegentlich auch unpassend eingesetzte oder ausgelebte Nutzung dieser Eigenschaften. Die Unterscheidung erfolgt in dem nicht aktiv bzw. bewusst gewählten Verhalten. Für Menschen, bei denen die Antreiber stark ausgeprägt sind, werden Verhaltensweisen automatisch entschieden. Es besteht kaum Wahlmöglichkeit mehr für die Betroffenen, ob sie beispielsweise „gefällig sein“ oder etwas „perfekt machen“ wollen. Sie neigen dazu, sich durch die Antreiber ausnahmslos dazu verpflichtet bzw. „gezwungen“ zu fühlen.
Dieses unfreiwillige Verhalten, der Perfektionismus oder die Überverantwortung als Beispiele, kostet nicht nur Kraft und Zeit, es kann auch anhaltenden Stress verursachen und zu Erschöpfungserscheinungen führen.
Die Alternative, den Antreibern nicht zu folgen, würde dazu führen, sich nicht okay zu fühlen. Oder weiterführende schlechte Gefühle, beispielsweise „nicht genug zu sein“, auslösen.
Innere Antreiber erkennen: Typische Muster im Alltag
Mit den persönlichen Antreibern wird individuell ein spezifischer Stil für das eigene Denken, Fühlen und Verhalten entwickelt. Daraus leiten sich auch Persönlichkeitsmerkmale sowie besondere Stärken, Schwächen, Kompetenzen und Wahlmöglichkeiten ab.
Anzeichen für starke innere Antreiber
Innere Antreiber und Glaubenssätze
Die Formulierung dieser Antreiber kann neben antreibenden Formulierungen auch in Form von vollständigen Sätzen erfolgen. „Ich bin nur gut genug, wenn ich mich (immer) xyz verhalte“. Glaubenssätze starten in der Regel mit einer der folgenden Varianten:
- Ich kann (das nicht)
- Ich will (gemocht werden)
- Ich darf nicht (schwach sein)
- Ich muss (das perfekt machen)
Diese (in Klammern gesetzte) Beispiele sind zur Verdeutlichung des hinderlichen Charakters bewusst in der negativen Form dargestellt. Grundsätzlich gibt es auch positive Glaubenssätze, die dienliche & bestärkendere Wirkungen haben.Antreiber können zu Glaubenssätzen formuliert werden und Glaubenssätze zu Antreibern werden. Je nach Formulierung wird daraus ein Treiben von innen heraus oder eine Art Verbot. Und hat damit einen nicht unerheblichen Einfluss auf Entscheidungen und Verhaltensweisen und kann insbesondere auch in Konfliktsituationen zu Problemen führen.
7 innere Antreiber oder 5: Unterschiede und Einordnung
Erweiterte Modelle der inneren Antreiber
Das Modell der 5 Antreiber wird für unterschiedliche Einsatzgebiete um weitere Verhaltensmuster erweitert. Dies geschieht beispielsweise für eine präzisere Anwendung in Arbeits- oder Beziehungskontexten. Dabei werden folgende mögliche Weiterentwicklungen verwendet:
Erweiterungen für das Modell der 7 inneren Antreiber:
- 6. Hartnäckigkeit und Durchsetzung (eigene Überzeugungen gegenüber Widerständen): „Setz Dich durch“
- 7. Sicherheit (geht vor) und Risikovermeidung: „Sei vorsichtig“
Meiner Meinung nach ist es weniger von Bedeutung, wie viele Antreiber in einem Modell genannt werden. Der Fokus liegt deutlich auf den jeweils individuellen Gedanken- und Verhaltensmustern und damit auf der Anwendung des dahinter liegenden Wissens.
Veränderung von inneren Antreibern: Wege zur Entlastung
Erste Schritte: Bewusstsein schaffen und eigene Antreiber erkennen
Antreiber können auch hilfreich sein. Wenn wir diesen jedoch unbewusst und unreflektiert in jeder Situation folgen, verhindern wir damit eine natürliche und gesunde Persönlichkeitsentwicklung sowie autonomes Verhalten.
Zu Beginn ist die Entwicklung eines Bewusstseins für diese Treiber wichtig. Dieses startet oft mit Verhaltensbeobachtungen des eigenen Verhaltens und der jeweiligen inneren Abläufe und Stimmen. Wer an dieser Stelle sich selbst hinterfragt und reflektiert, kann anfangen zu erkennen (identifizieren), wer bzw. was ihn oder sie antreibt. Das Wissen über eigene Antreiber sorgt für Verständnis. Und Verständnis kann oft schon erste Brücken bauen zu Akzeptanz, Orientierung oder beginnender Veränderung.
Erlauber entwickeln und Druck reduzieren
Nachdem wir unsere eigenen Antreiber kennengelernt und ihnen möglicherweise schon etwas näher gekommen sind, kann dieses Wissen genutzt werden, auch um selbsterzeugten Stress zu erkennen.
Als bewusste Gegensätze können nun neue Sätze in Form von „Erlaubern“ ergänzt und die Antreiber damit aktiv entschärft werden. Folgende Beispiele sind denkbar:
- Erlauber für „Sei perfekt“: „Ich darf Fehler machen, mein (Selbst-)Wert ist davon unabhängig“ oder „Auch wenn nicht alles perfekt ist, bin ich gut genug“
- Erlauber für „Mach es allen recht“: „Ich darf Nein sagen“ oder „Es ist wichtig, auch auf meine eigenen Bedürfnisse zu achten“
- Erlauber für „Streng Dich an": „Es darf auch leicht sein“ oder „Manchmal sind 80 % gut genug“
- Erlauber für „Sei stark“: „Ich kann über meine Sorgen sprechen und Hilfe annehmen“ oder „Meine Gefühle sind in Ordnung, ich darf zeigen, wie es mir geht“
- Erlauber für „Beeil Dich“: „Ich darf Pausen machen“ oder „Ich habe genug Zeit“
Selbstfürsorge und konkrete erste Schritte
Für gelingende Erlauber ist es bedeutsam, uns die Art, wie wir denken und wie wir mit uns selber reden, bewusst zu machen. Mit dem Bewusstsein, dass Automatismen am Werk sind, ist es uns bestimmt nicht immer, aber immer öfter möglich, diese zu erkennen und zu unterbrechen. Insgesamt macht es einen Unterschied, in welchem Tempo wir unsere Reaktionen und Verhaltensweisen abrufen.
Hier heißt es bewusst Tempo rausnehmen und dann wahrnehmen, was wir gerade brauchen. Die eigenen Bedürfnisse und sich selbst insgesamt besser kennenlernen. Unser bisheriges Verhalten akzeptieren und versuchen, so gnädig mit uns zu sein, wie wir es mit unseren Liebsten sind. Liebevoll auf unsere Veränderungen (und wie viel Veränderungsenergie vorhanden ist) schauen. Je mehr wir bei uns sind, desto unabhängiger sind wir von unseren Antreibern. Und mit jeder Situation, die uns gelingt, lernen wir. Und mit wiederholten Lernerfahrungen erzeugen wir eine Widerstandsfähigkeit. Unsere Resilienz wird gestärkt.
Fazit: Innere Antreiber kennen & bewusst steuern statt getrieben sein
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Häufig gestellte Fragen
Innere Antreiber sind unbewusste innere Regeln oder Glaubenssätze, die unser Verhalten steuern. Sie zeigen sich oft in Gedanken wie „Ich muss perfekt sein“ und beeinflussen, wie wir entscheiden und handeln.
Nein. Innere Antreiber enthalten oft wertvolle Eigenschaften wie Genauigkeit, Verantwortungsbewusstsein oder Durchhaltevermögen. Problematisch werden sie vor allem dann, wenn sie unbewusst, starr und ohne Wahlmöglichkeit unser Verhalten bestimmen und dauerhaft Druck erzeugen.
Typische Hinweise sind innerer Druck, das Gefühl getrieben zu sein oder Schwierigkeiten, abzuschalten. Auch wiederkehrende Gedankenmuster und automatische Reaktionen in bestimmten Situationen können darauf hinweisen.
Der erste Schritt ist Bewusstsein. Anschließend können sogenannte „Erlauber“ helfen, also neue, entlastende Gedanken wie „Ich darf Fehler machen“ oder „Ich habe genug Zeit“. Dadurch entsteht mehr Wahlfreiheit im eigenen Handeln.
Innere Antreiber lassen sich nicht einfach abschalten, aber sie können bewusst gemacht und relativiert werden. Durch Reflexion und auch durch sogenannte „Erlauber“ entsteht ein aktiver Umgang und mehr aktive Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten.

